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Musiktruhe
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Eine Musiktruhe, auch Musikschrank genannt, ist ein MöbelstĂŒck aus der Gruppe der sogenannten Tonmöbel. In diesem Möbel mit integrierten Lautsprechern waren verschiedene GerĂ€te der Unterhaltungselektronik verbaut, zu Beginn in der Regel Radios und Plattenspieler, spĂ€ter auch Tonband- oder FernsehgerĂ€te.

Contents

‱ Begriff
‱ Geschichte
‱ Design
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Begriff

Bei dem Begriff Musiktruhe handelt es sich um ein Kompositum, das aus den beiden Grundwörtern Musik und Truhe zusammengesetzt ist. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) stellt eine Verlaufskurve fĂŒr die VerwendungshĂ€ufigkeit des Worts zur VerfĂŒgung,cite-ref-1[1] die 1946 beginnt, ihren Gipfel 1959 hat, danach bis etwa 1980 kontinuierlich absinkt und kurz vor der Jahrtausendwende zum Nullpunkt tendiert.cite-ref-2[2] Da fĂŒr Musiktruhen verschiedene Begriffe verwendet wurden, die teils Gleiches, teilweise aber auch Unterschiedliches bezeichneten, versuchte sich Rainer SteinfĂŒhr auf seiner Website an einer begrifflichen Unterscheidung der diversen GerĂ€tegruppen, deren Namen „keine echten Typbeschreibungen waren“.cite-ref-wumpuswelt-3-0[3]

Geschichte

Rainer SteinfĂŒhr, in einem Deutschlandfunk-Podcast zum internationalen Tag des Radios gemeinsam mit seinen Mitstreitern als „GedĂ€chtnis des Deutschen Rundfunks“ bezeichnet,cite-ref-deutschlandfunkkultur-4-0[4] betreibt die Website Wumpus Welt der Radios, auf dessen Startseite er mitteilt, dass der Rundfunk am 29. Oktober 2023 sein 100-jĂ€hriges JubilĂ€um feiern kann,cite-ref-5[5] wofĂŒr er eine virtuelle Gedenktafel entwarf.cite-ref-6[6] SteinfĂŒhr, der rund 1.600 rundfunktechnische Exponate aus der Zeit von den AnfĂ€ngen des Rundfunks bis in die Gegenwart in den LagerrĂ€umen des Deutschen Rundfunkarchivs in Potsdam-Babelsberg betreut, berichtet in dem Podcast ĂŒber die AnfĂ€nge des Rundfunks.cite-ref-deutschlandfunkkultur-4-1[4] Auf seiner Website widmet SteinfĂŒhr eine gesonderte und reich bebilderte Unterseite den Musiktruhen.cite-ref-wumpuswelt-3-1[3] Von ihm ist zu erfahren, dass es „Tonmöbel in allen Varianten [
] hauptsĂ€chlich in der Zeit der dreißiger bis Mitte der siebziger Jahre“ des 20. Jahrhunderts gab. Er hĂ€lt sie optisch fĂŒr den Höhepunkt der Rundfunk- bzw. Fernsehmöbel.cite-ref-wumpuswelt-3-2[3]

Mit Erfindung der Schellackplatte und des Grammophons konnten erste, individuell abspielbare Medien in einzelne Haushalte gebracht werden. Ab den 1920er-Jahren wurden die AbspielgerĂ€te kleiner und waren in zeitgenössischen – z. B. im Art dĂ©co gehaltenen – SchrĂ€nken untergebracht. In Deutschland wurden 1929 die ersten MusikschrĂ€nke angeboten. Sie hatten „ein eingebautes Radioteil und einen elektrischen Plattenspieler“.cite-ref-wumpuswelt-3-3[3] Voraus gingen „PhonoschrĂ€nke“ mit einem Plattenspieler und sogenannte „Tischradios“ – beides zwar VorlĂ€ufer, aber keine Musiktruhen. FĂŒr die 1929 und 1930 gebauten Musiktruhen listet SteinfĂŒhr auf seiner Website die einzelnen GerĂ€te auf und gibt die Namen der Hersteller, das Modell, seine Eigenschaften und den Preis in Reichsmark an.

„Waren Tonmöbel bis 1945 noch echte LuxusgerĂ€te, bildete sich ab Anfang der fĂŒnfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts langsam eine eigenstĂ€ndige GerĂ€tegruppe der Tonmöbel heraus, die zunehmend auch im mittelpreisigen und preisgĂŒnstigen Segment Fuß fassen konnte.“

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Rainer SteinfĂŒhr

Tonmöbel wurden mit der Zeit vielfĂ€ltiger und dementsprechend mit verschiedenen Begriffen bezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es reine Tonmöbel-Firmen, die FremdgerĂ€te in ihre Möbel einbauten, andere begannen auch eigene Elektronik-Komponenten zu verwenden. Die Auflistung von Tonmöbel-Anbietern verzeichnet ĂŒber 50 Firmen (Stand: 2023), wobei Radio-Fernseh-Kombinationen nicht nur als Musikschrank oder -truhe, sondern auch als „Luxustruhe“ bezeichnet wurden. Der Begriff bezog sich hierbei hĂ€ufig auch auf die „besonders komfortable“ Ausstattung des GerĂ€tes, so zum Beispiel auf die Verwendung eines teueren Furniers, eine Bauweise zur Minimierung des Nachhalls, AnschlĂŒsse fĂŒr externe Lautsprecher, oder eine Fernbedienung. Eine verlĂ€ssliche „QualitĂ€tszuordnung“ seitens der Hersteller sei mit diesen Bezeichnungen jedoch nicht verbunden gewesen, so SteinfĂŒhr.

Ab Ende der 1960er kamen die ersten modernen Stereoanlagen mit getrennt aufstellbaren Lautsprechern auf den Markt, welche die Musiktruhe immer mehr verdrĂ€ngten. SpĂ€testens mit dem Aufkommen von HiFi-TĂŒrmen aus Einzelkomponenten bzw. als Kompaktanlage endete die Ära der Musiktruhe endgĂŒltig.

Die Printmedien berichteten seinerzeit mehrfach ĂŒber Musiktruhen. Beispielsweise schrieb die Wochenzeitung Die Zeit im November 1956: „Seit 1954 hat die Musiktruhe ihren Marktanteil stĂ€ndig verbessern können.“cite-ref-7[7] Im August 1957 hieß es in derselben Zeitung: „Ob die guten VerkĂ€ufe von Musiktruhen anhalten werden, ist eine der großen Fragen.“cite-ref-8[8]

In seinem historischen Abriss unter dem Titel Vom Detektor bis zur Musiktruhe beschrieb Hans-Gerhard Maiwald die Entwicklung unter Hinweis auf die Vorteile, aber auch die Kosten von Musiktruhen:

„Die EinfĂŒhrung des UKW-Hörfunks brachte eine erhebliche Klangverbesserung und schaffte die Basis fĂŒr so genannten 3D-Klang sowie die spĂ€tere Stereofonie. Große, mit Chromleisten verzierte GerĂ€te mit weißen Klaviertasten nahmen Einzug in bundesdeutsche Wohnstuben. Je nach Geldbeutel waren sie kombiniert mit Plattenspielern, Tonband- oder DrahtgerĂ€ten sowie Tefiphonen (Schallbandspieler). Musiktruhen integrierten alle GerĂ€te und kosteten ein Vermögen.“

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Hans-Gerhard Maiwald

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Radiomuseum

Über die professionelle Herstellung hinaus gab es – insbesondere in den ersten Nachkriegsjahren – Musiktruhen, die von unbekannt gebliebenen Konstrukteuren als Eigenbau in Heimarbeit hergestellt wurden.cite-ref-wumpuswelt-3-5[3]

Ausstattung

Die Ausstattung der Musiktruhen variierte in AbhĂ€ngigkeit vom Entwicklungsstand, dem Hersteller und dem Preissegment. Rainer SteinfĂŒhr spricht in diesem Zusammenhang von „AufrĂŒstung der Tonmöbel“.cite-ref-wumpuswelt-3-6[3]

Musiktruhen verfĂŒgten ĂŒber einen Stromanschluss. Ein Batteriebetrieb war wegen des relativ großen Stromverbrauchs nicht vorgesehen. FĂŒr einen Radio- bzw. Fernsehempfang wurde eine entsprechende Antenne benötigt.

Meistens wurden gute Lautsprecher, mitunter bis zu zehn − sogenannte Hochtöner, Mittel- und Tieftöner – verbaut. Mit der Zeit wurde laut SteinfĂŒhr „die QualitĂ€t der Tonmöbel nach der Zahl der Lautsprecher bemessen“. Anfangs hatten Musiktruhen nur einen Lautsprecher, spĂ€ter mehrere, wobei es Mono-Musiktruhen mit 4–5 Lautsprechern gab, wĂ€hrend StereogerĂ€te mit 8–10 Lautsprechern ausgerĂŒstet waren. Mit dem Aufkommen des Raumklanges wurden auch seitlich angebrachte Hochtöner verbaut.cite-ref-wumpuswelt-3-7[3]

ZunĂ€chst sind RöhrengerĂ€te, spĂ€ter TransistorgerĂ€te mit besserer Leistung verwendet worden. Die Lautsprecher hatten wegen der halboffenen Bauweise und dem Holz als Klangkörper einen guten Wirkungsgrad, so dass 5–15 Watt genĂŒgten, um auch grĂ¶ĂŸere RĂ€ume zu beschallen. Vereinzelt wurde auch die Elektronenröhre EL34 verwendet, die eine Niederfrequenz-Leistung von ca. 25 Watt aufwies. Bei GerĂ€ten aus dem höheren Preissegment wurden die Niederfrequenz-Endstufen der Radios besonders stark ausgelegt oder mit ZusatzverstĂ€rkern versehen. Mit der EinfĂŒhrung der Transistortechnik gegen Ende der Musiktruhen-Ära stiegen die Niederfrequenz-Leistungen weiter an, auf ĂŒber 30 Watt, bei einem Klirrfaktor von unter 2 %, damit hielt der High Fidelity Standard Einzug in Musiktruhen.cite-ref-wumpuswelt-3-8[3]

Die Radio-Fernseh-Kombinationen, von SteinfĂŒhr als „Schlachtschiffe“ bezeichnet, gehörten zu den hochpreisigen GerĂ€ten. Sie verfĂŒgten mitunter ĂŒber ein Vitrinenteil, eine Hausbar und, falls zusĂ€tzlich mit Plattenspieler und TonbandgerĂ€t ausgestattet, ggf. ein Fach fĂŒr einen PlattenstĂ€nder oder ein herausziehbares Fach fĂŒr Tonband-Spulen.cite-ref-wumpuswelt-3-9[3]

Design

Musiktruhen gehörten zu den Prestigeobjekten, mit denen man zeigte, was man besaß. Ihr Aussehen orientierte sich am wechselnden Geschmack fĂŒr Wohnungseinrichtungen, wobei ihr Äußeres nicht zwangslĂ€ufig ihrer technischen Ausstattung entsprach. In den fĂŒnfziger Jahren wiesen sie den damals ĂŒblichen barocken Stil auf, der in den sechziger Jahren „von eher sachlich gestalteten Möbeln abgelöst“ wurde. Es gab Musiktruhen im Stil des sogenannten Gelsenkirchener Barocks, manche waren aus Eiche im Altdeutschen Stil und andere dem Stil des Kunsttischlers Thomas Chippendale nachempfunden. Einige Hersteller lehnten das Design ihrer Produkte an den Bauhaus-Stil an. Nicht immer passte die Musiktruhe zur sonstigen Einrichtung, Stilbruch war nicht unĂŒblich.cite-ref-wumpuswelt-3-10[3]

Galerie (Auswahl)

Literatur

‱ Christopher Cook: Entertainment in a Box. Domestic Design and the Radiogram and Television. In: Music in Art. Band 35, Nr. 1/2, 2010, S. 261–270, JSTOR:41818620 (englisch).

Weblinks

Commons

: Musiktruhe

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Musiktruhe

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ DWDS: Musiktruhe, die. Abgerufen am 23. Juni 2023.
cite-note-22. ↑ DWDS: Musiktruhe Verlaufskurve. Abgerufen am 23. Juni 2023.
cite-note-wumpuswelt-33. ↑ Rainer SteinfĂŒhr: Erste Musiktruhen, Musiktruhen, MusikschrĂ€nke, Musikmöbel, Luxustruhen, Tonmöbel, Phonomöbel, Phonokombinationen, Radio-Tower, Kompakt-Anlagen, UnterschrĂ€nke, usw. In: Wumpus Welt der Radios. 22. Februar 2021, abgerufen am 23. Juni 2023.
cite-note-deutschlandfunkkultur-44. ↑ Thilo Schmidt: Internationaler Tag des Radios. „Vergessen Sie nicht, die Antenne zu erden“. Aus dem Podcast LĂ€nderreport. In: Deutschlandfunk Kultur. 12. Februar 2016, abgerufen am 23. Juni 2023: „Als der Rundfunk erfunden wurde, kostete ein Brot 80 Milliarden Mark“
cite-note-55. ↑ Rainer SteinfĂŒhr: Wumpus Welt der Radios. Startseite. Abgerufen am 23. Juni 2023.
cite-note-66. ↑ Rainer SteinfĂŒhr: Virtuelle Voxhaus-Gedenktafel zum 100 Jahre JubilĂ€um des deutschen Rundfunks. In: Wumpus Welt der Radios. 26. Februar 2023, abgerufen am 23. Juni 2023.
cite-note-77. ↑ Verwendungsbeispiele fĂŒr â€șMusiktruheâ€č. In: DWDS (Hrsg.): Die Zeit. Nr. 47, 22. November 1956 (dwds.de [abgerufen am 23. Juni 2023]).
cite-note-88. ↑ Verwendungsbeispiele fĂŒr â€șMusiktruheâ€č. In: DWDS (Hrsg.): Die Zeit. Nr. 31, 1. August 1957 (dwds.de [abgerufen am 23. Juni 2023]).
cite-note-91. Hans-Gerhard Maiwald: Vom Detektor bis zur Musiktruhe. Das Radiomuseum in Bad Laasphe. (PDF; 147 kB) In: radiomuseum.org. Abgerufen am 22. Juni 2023.